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Adventskrimi 4. Dezember - Homer in Heidelberg ...

04.12.2018 - Adventskrimi 4. Dezember - Homer in Heidelberg Teil 2

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Doch auf dem Weg hinauf zum Schloss geschah es. Homer war wohl zu sehr mit der Ausformulierung zu seinem Vortrag über die Moyamoya-Erkrankung, den er demnächst in Tokio halten sollte, beschäftigt, dass er das Loch in der Straße einfach übersah. Schmerz schoss in seinen Knöchel und einen Moment rang er um Luft.

„Verdammt“, murmelte er und versuchte sich aufzurichten, aber der Knöchel schwoll bereits an und jedes Mal, wenn er versuchte den Fuß zu belasten, trieb ihm der Schmerz Tränen in die Augen. „Auch das noch – hoffentlich handelt es sich nicht um einen Bänderriss“.

 

„Geht es Ihnen gut? Ist alles in Ordnung?“

 

Homer war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass sich ihm ein junges Pärchen genähert hatte.

 

„Studenten“, vermutete Homer. „Philosophische Fakultät. Das Mädchen studiert höchstwahrscheinlich Romanistik, ja, Französisch, denn die Art wie sie ihr Haar hochgesteckt, ist derzeit im Pariser Nachtleben der letzte Schrei. Und er? Sympathischer Junge, hm, vielleicht eine Spur von Arroganz, die Brille soll ihn intellektueller wirken lassen, könnte sogar aus Fensterglas sein. Will lässig wirken, aber die Eltern haben Geld, die Schuhe stammen aus Italien und glänzen picobello. Politologie oder Philosophie – hm – ah, auf seiner Ledertasche ist ein Aufkleber „Ein jeder Mensch hat rechtmäßigen Anspruch auf Achtung von seinen Nebenmenschen, und wechselseitig ist er dazu auch gegen jeden Anderen verbunden“ da haben wir es ja – ein Anhänger Immanuel Kants!“

 

„Können wir Ihnen irgendwie helfen?“ fragte die junge Frau.

 

„Tja, ich habe mich am Knöchel verletzt und zugegebenermaßen fehlt es mir momentan an pragmatischen Ideen, wie ich mich von diesem Ort entfernen kann. Die Herrschaften sind nicht zufälligerweise motorisiert und könnten mich aus meiner misslichen Lage befreien?“

 

Na klar doch“, antwortete der junge Mann, „am besten fahren wir Sie hinaus ins Neuenheimer Feld, so dass die sich in der Klink Ihren Fuß anschauen. Da gibt es eine tolle Privatklinik. Kommen Sie, wir helfen Ihnen zu unserem Wagen, der steht gleich da drüben.“

 

Das Pärchen stütze Homer, so dass er zum Wagen humpeln konnte. Erschöpft ließ er sich auf die Rückbank des Mini Coopers fallen. Glück im Unglück, dass er diese hilfsbereiten Menschen getroffen hatte. Im Wagen duftete es nach Veilchen. Verträumt schaute er aus dem Fenster und schaute auf die Stadt, in der er ein Semester studiert hatte. Bilder seiner Jugend stiegen in ihm herauf.

Studentenfeten, nächtelange Diskussionen in den Altstadtkneipen und er fragte sich, was wohl aus Anasarka, seiner damaligen Freundin geworden war, ein Mädchen mit feurigem Temperament, türkisblauen Augen und einem Sturkopf, der seinesgleichen suchte.

 

Es war eine intensive, wilde und leidenschaftliche Zeit mit ihr, aber sie endete so abrupt und stürmisch, wie sie begonnen hatte.

Homer war damals nicht bereit gewesen, die Bande enger zu knüpfen. Ehrlich gesagt war er das auch heute nicht.

Und so hatte sich Anasarka, um ihn zu verletzen, seinem alten Freund Milton an den Hals geworfen. Doch als er Milton vor ein paar Jahren wieder traf, sprachen sie nicht mehr über sie.

 

Irgendwann müsste er herausfinden, was aus ihr geworden war. Oder vielleicht auch nicht.

 

„Wir sind da.“ Der junge Mann riss ihn aus seinen Erinnerungen. „Wir helfen Ihnen noch hinein.“

 

Homer wandte sich der jungen Frau zu. „C'est très gentil que vous avez fait pour moi. Merci beaucoup.“

 

Verwundert sah ihn die junge Frau an. „De rien. Nous l'avons fait avec plaisir”.

 

Kurze Zeit später war Homers Knöchel untersucht. „Die Bänder haben sie überdehnt und sich einen ganz schönen großen Erguss eingehandelt. Am besten bleiben sie eine Nacht hier, wir geben Ihnen ein Schmerzmittel und unsere naturheilkundliche Ärztin zaubert Ihnen einen Salbenverband aus Ihrer Kräuterküche. Das hat sie echt drauf und wenn sie Glück haben, können Sie morgen dann wieder humpeln. Leider haben wir nur ein Zweibettzimmer, aber für eine Nacht wird das doch sicher gehen, Herr Kollege. Schwester Agnes bringt Ihnen dann gleich die Medikamente und etwas zu essen. Morgen früh schaue ich noch einmal nach Ihnen“, sagte der Arzt. 

 

 

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